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Every Friday Note

Die Frau, die das Universum gekleidet hat - Eine Hommage an Coco Chanel

Könnt Ihr Euch an die Berührung des Windes an einem lauen Abend auf der Terrasse vor dem Schloss erinnern? Wenn die Vorhänge sacht hin und her gleiten und der Blick auf das sommerliche Grün fällt. Wenn ein zarter Zauber auf allem liegt und der Körper scheinbar nichts wiegt. Leider habe ich mich für Coco Chanel viel zu spät interessiert, und doch steckt alles, was man von ihr wissen muss, in diesem ersten Bild, was ich just für Euch entworfen habe. Als mit dem Jahr 1914 eine alte Welt zu Ende geht, begreift Coco, dem neuen Jahrhundert frischen Ausdruck zu verleihen, indem sie ihm den Hut mit dem Tand der Dekaden (und all den ulkigen Vögeln) rabiat vom Kopf reißt und durch Stil, Eleganz und nicht zuletzt Bequemlichkeit ersetzt. Es ist als wenn Coco, die ja eigentlich Gabrielle Chasnel heißt, auf diese Weise den weiblichen Körper von dem ganzen Chi Chi befreit, so dass er wieder frei atmen kann. Doch es soll noch Zeit vergehen, bis jener frische Hauch nicht nur die Pariser und ganz Frankreich, sondern auch große Teile Europas erobert. Denn Gabrielle ist stolz und wenig gesprächig und eckt mit ihrer überbordenden Ehrlichkeit in der Pariser Gesellschaft an. Gleichwie, es sind zunächst die Engländer mit ihrem ausgezeichneten Geschmack, die für die schlichte Feinheit schwärmen. Allen voran der junge Geschäftsmann Arthur ‚Boy‘ Capel. Cocos späterer Liebhaber erkennt in ihren schwarzen, mit dem weißen Kragen recht züchtig anmutenden Kleidern sofort diese taufrische Verführung durch die Formvollendung. Dank seiner Unterstützung erreicht Coco, was sie sich am sehnlichsten wünscht: die Freiheit und die große Liebe, die sie allerdings schon kurze Jahre später wieder verliert, denn Boy kommt bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Mit der Zigarette im Mund und den Händen am lebendigen Model schweigt sich die Jahrhundertmodeschöpferin aus und verweigert der Öffentlichkeit alles Private. Der Verlust ist zu groß und die Melancholie wartet mit geöffnetem Schlund. Dermaßen kann Coco die fremden Leute nicht verstehen, die staunend zweifeln, dass sie nie wieder ernsthaft über etwas anderes nachdenkt als über ihre Arbeit. Doch so ist es, und die werklosen Sonntage sind ihr ein Gräuel. Nur um rebellierend und schöpferisch zurückzukehren, verlässt sie natürlich an einem Sonntag (im Jahre 1971) die Welt, um in die nächste aufzubrechen. Man könnte noch viel über Coco Chanel sagen, aber ich möchte meine Geschichte beenden, indem ich sie selbst sprechen lasse: „Mein Leben war nur eine verlängerte Kindheit. Wie bei allen Schicksalen, in denen Poesie eine Rolle spielt. Ich habe nie etwas vergessen. Völlig unwissend und völlig unverbildet bin ich aus der tiefen Auvergne herausgetreten. Nie habe ich Zeit gehabt, mich einem Gefühl von Unglück zu überlassen, für einen anderen Menschen da zu sein oder Kinder zu haben. Es ist vermutlich kein Zufall, dass ich allein gelebt habe. Ich bin im Zeichen des Löwen geboren: Die Astrologen werden verstehen, was das bedeutet. Es wäre sehr schwer für einen Mann, wenn er nicht sehr stark wäre, mit mir zu leben. Und mir wäre es, wäre er stärker als ich, unmöglich, mit ihm zu leben.“ Und jetzt erinnert Euch an den Wind auf der Veranda, der sich im Stoff der wogenden Schals fängt, um dann sanft unsere Schulter zu streifen. Die Sonne geht langsam unter, der Hauch wird kühler, doch nichts wiegt in diesem Augenblick leichter, als das zu tun, was man tun möchte, und seiner Bestimmung zu folgen. Und wir wissen: Coco Chanel hat das Universum gekleidet.

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